Schöne Halle Blumenhalle für die BUGA 2009 in Schwerin


Variables Hallensystem für die Blumen- und Pflanzenschauen - BUGA 2009 Schwerin


Für das Hallenmodul wurde die Form einer Ellipse gewählt. Diese entwickelt aufgrund ihrer stützenfreien Konstruktion und textilen Bespannung Eigenschaften eines temporären oder auch stationären Pavillons. Die Ellipse erzeugt nicht nur eine große innere Ausdehnung für vielfältige Programme und Nutzungen, sondern auch eine äußere Spannung, indem sie den perspektivischen Raum erlebbar macht.
Gleichzeitig sind die Module auf unterschiedlichste Arten kombinierbar und erlauben differenzierte raumprägende Konstellationen. Die Hallen können sich tangential berühren, wobei ihre Verbindung untereinander minimal über ankoppelbare Elemente erfolgt. Die Flexibilität liegt damit gerade nicht in einer beliebigen und kleinteiligen Modularisierung bzw. Systematisierung, sondern in dem Bekenntnis zu einer eigenständigen und unverbrauchten Formensprache bezogen auf die primären Bauteile, die sich bei erneutem Aufbau anders interpretieren lassen.
Die stützenfreie Halle mit einer Grundfläche von 1.100 qm wird als verzinkte Stahlbaukonstruktion mit textiler Folienbespannung angeboten. Das Dach besteht aus einer Membran, welche durch einen auf Druck und auf Biegung beanspruchten Außenring gehalten und durch 2 Tiefpunkte vorgespannt wird. Die Vorspannung wird über 10 Zugstangen realisiert, welche an den Stützen befestigt werden. Der Druckring (HEB 800), dessen Segmente vor Ort montiert und über Schraubanschlüsse kraftschlüssig und biegesteif miteinander verbunden werden, lagert auf Pendelstützen aus IPE 300-Profilen. Zwischen die Pendelstützen werden ebenfalls Membranen gespannt, welche die horizontale Aussteifung der Halle übernehmen.
Die Dachentwässerung erfolgt von den Tiefpunkten aus über Rohre entlang den Zugstangen und weiter über die Außenstützen. Für die Dachmembran wird ein PVC-beschichtetes Polyestergewebe (Lichtdurchlass ca. 15 %) vorgeschlagen, die Wandbespannungen bestehen aus einer teilweise bedruckten ETFE-Folie (Lichtdurchlässigkeit 50-100%).
Sonnenschutzrollos im unteren und Lüftungsklappen im oberen Wandbereich ergänzen das Programm. Das zum klimatischen Ausgleich nötige Technikmodul wird für 12 Wochen zuschaltbar an das Hallensystem gekoppelt. Verbindungselemente aus selbsttragenden Holzrahmen verbinden die Hallen untereinander und können Türen oder Tore enthalten. Das Atrium kann bei Bedarf mit einem Segel geschützt werden.


Die stadtraumbezogene Lösung verbindet landschaftliche Elemente mit den Bauformen der Hallen. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird durch die gekrümmten Wände des Ovals ein immer wieder neu geordnetes, räumliches Zusammenspiel der Hallenkörper erzeugt. Der Haupteingang und die Übergänge befinden sich an den tangentialen Brührungspunkten. Die Hallen können zu einem späteren Zeitpunkt noch durch Umstellung bzw. Neukonfiguration auf örtliche Veränderungen reagieren. Die Außenansicht der Hallen wird durch unterschiedliche Oberflächengestaltung dem Wunsch des Auftraggebers entsprechend gehalten. Die Tonalität kann sich sowohl an der Umgebung als auch am CI der BUGA in Schwerin orientieren. Die hier vorliegende Fassadengestaltung geht von einer Dreiteilung aus. Durch horizontale und vertikale Elemente verbinden sich die Hallen zu einem Raumkörper. Der obere Bereich der Hallen ist durch einen kräftigen Farbton gekennzeichnet, der gleichermaßen Fernwirkung erzeugt. Im mittleren Bereich befindet sich eine transparente TFT-Folie, die weiß bedruckt zum größten Teil direkte Sonnenstrahlen reflektiert und dabei eine transluzente Wirkung hat. Die untere Ebene ist durchsichtig und kann für Ein- und Aussichten genutzt werden. Hier befindet sich auch der interne Sonnenschutz. Zum Arbeitshof und weiterhin zu Situationen, von oder zu denen keine Aussicht gewünscht ist, wird die Wandschicht geschlossen.


Die Schweriner Lösung geht von vier Hallen aus, die ein gemeinsames Atrium bilden. Die Organisation der Hallenräume beinhaltet vier Grundthemen, die über einen Rundgang miteinander verknüpft sind. Jede einzelne Halle hat ein Erschließungstor zum Arbeitshof und kann damit separat zugänglich gemacht werden. Der Haupteingang erfolgt über den Prolog, der Rundgang endet bei der Bühne. Der Bühnenraum kann vom Rundgang getrennt werden und bildet mit dem Foyer eine eigenständige Raumeinheit. Teile der Hallen werden wegen Umbauarbeiten immer wieder gesperrt sein müssen. Um eine kreisförmige Erschließung dennoch zu garantieren ist grundsätzlich der Weg über das Atrium möglich, weiterhin aber auch über die Ereignisräume, die neben dem unmittelbaren Übergang zum Atrium auch direkt in den nächsten Hallenraum führen. Durch die Stützenstellung der Hallenkonstruktion sind Spannseile an jedem beliebigen Ort fixierbar. Vorhänge dienen der Abtrennung unterschiedlicher Raumfiguren. Das Foliendach und die Seitenflächen lassen die geforderte Lichtmenge durch. Die Kombinierbarkeit der Hallenmodule bewirkt neben unterschiedlichen räumlichen Situationen und Konstellationen ein sinnvolles Zusammenwirken der Figuren und der funktionalen Gesichtspunkte. Die gewählte Hallenkonstruktion besteht aus Standardprofilen und wenigen konstruktiven Bauteilen (22 kg Stahl pro qm Nutzfläche). Sie nutzt die symbiotische Wirkung zwischen Flächen (zugbelastbare Folien) und Stab- bzw. Bogenelementen optimal aus. Die Verwendung weniger Elemente und einfacher Verbindungstechnik in Stahl gewährleistet den ökonomischen und zügigen Aufbau ab OK Fundament in zwei Wochen (Stahlarbeiten und Aufziehen der Membran jeweils eine Woche). Die gekrümmten Seitenflächen der Ereignisräume bestehen jeweils aus Holzrahmenkonstruktionen, die entweder bespannt oder beplankt werden, und mit einem Fertigfundament senkrecht in der Halle aufgestellt werden können. Eine Notbeleuchtung ist Teil der obligatorischen Ausstattung der Hallenräume.  

In Kooperation mit HEIDE | VON BECKERATH | ALBERTS
ARCHITEKTEN BDA und KAISER Ingenieurbau GmbH